Vinyl · Audiophile Doppel-LP · Solo-Piano
Es gibt Adressen, die in der Geschichte der Tonaufnahme einen eigenen Klang haben. Das MPS-Studio in Villingen im Schwarzwald ist eine davon: Hier nahm Hans Georg Brunner-Schwer ab den späten Sechzigern jene Platten auf, die bis heute als Maßstab für Flügelaufnahmen gelten — Oscar Peterson, Friedrich Gulda, Joachim Kühn. Martin Vatters Doppelalbum „Homeland" ist keine Hommage an diese Ära aus der Ferne, sondern aus dem Inneren: eingespielt im selben Raum, auf demselben Instrument, mit derselben Mikrofonierung.
Das Instrument ist der Bösendorfer Imperial von 1979, der Tonmeister Gerd Puchelt, die Mikrofone stammen aus dem originalen Neumann-Bestand des Studios. Herausgekommen ist eine audiophile Produktion, die in vier Fachmagazinen besprochen wurde und die sich vor keiner Referenzscheibe der Achtziger verstecken muss — gepresst als One-Step-Edition auf 180 g Vinyl in einer Erstauflage von nur 500 Exemplaren.
MPS-Studio Villingen
Originaler Bösendorfer Imperial von 1979 und historische Neumann-Mikrofonierung
One-Step-Pressung
Mastering von Pauler Acoustics, gepresst in Deutschland auf 180 g Vinyl
500 Stück Erstpressung
Streng limitiert, auf Wunsch handsigniert — mit Foto-Folder aus dem Studio
Wer je eine MPS-Platte auf einer guten Anlage gehört hat, kennt das Phänomen: Der Flügel steht nicht hinter den Lautsprechern, er steht im Raum. Dieser Effekt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bestimmten Mikrofonaufstellung — und genau diese wurde für „Homeland" rekonstruiert. Verwendet wurden vier Neumann U 87 (drei unmittelbar über den Hämmern, eines hinter dem Instrument), ein Neumann SM 69 in der Biegung des Korpus sowie zwei Brüel & Kjær 4006 als Raummikrofone.
Die Logik dahinter ist akustisch nachvollziehbar: Die Nahmikrofone direkt an den Saiten liefern Anschlagpräzision, Transienten und die feinen mechanischen Geräusche, die ein Klavier erst lebendig machen. Die Kleinmembran-Kugeln im Raum liefern die Hallfahne, die Luft und die Tiefenstaffelung. Erst die Mischung beider Ebenen erzeugt jenes Klangbild, das die Fachpresse an diesem Album durchgehend hervorgehoben hat: enormer Detailreichtum bei gleichzeitig großer Dynamik und offener Transparenz. Der Diskant bleibt strahlend statt spitz, der Bass hat Körper statt Dröhnen — der Flügel atmet.
Das Instrument selbst trägt zum Charakter bei. Der Bösendorfer Imperial ist mit 290 cm der größte Konzertflügel der Welt und besitzt neun zusätzliche Basstöne unterhalb des normalen Klaviaturumfangs. Diese Extra-Saiten werden kaum je angeschlagen, schwingen aber mit — sie geben dem Instrument jenes dunkle, tragende Fundament, für das Bösendorfer berühmt ist. Das Exemplar aus Villingen, Baujahr 1979, ist historisch dokumentiert: Auf ihm entstanden Aufnahmen, die heute auf jeder audiophilen Bestenliste stehen.
„Homeland" ist ein Album über Heimat — und zwar bewusst zweistimmig. Vatter beschreibt die eigene: zwölf Solokompositionen, die zwischen ruhiger Melancholie und heller Beweglichkeit pendeln, mit Titeln wie „Familiar Feelings", „Meet Old Friends" oder „Zufriedenheit ist der Weg zum Glück". Zugleich öffnet er den Begriff: Die Stücke „Forced to Flee My Homeland" und „Your Tears Will Dry" widmet er ausdrücklich Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Das Album ist damit persönlich, ohne privat zu bleiben.
Musikalisch lässt sich Vatter schwer in eine Schublade legen. Seine Handschrift liegt zwischen der improvisatorischen Weite eines Keith Jarrett, der nordischen Zurückhaltung Tord Gustavsens und der melodischen Zugänglichkeit Ludovico Einaudis — mit deutlich hörbaren klassischen Wurzeln. Wer Solo-Piano als Genre schätzt, findet hier keine Hintergrundmusik, sondern durchkomponierte Stücke mit Entwicklung.
Das klangliche Ereignis des Albums ist „Forced to Flee My Homeland": Sämtliche Klänge dieses Stücks entstehen ausschließlich am Konzertflügel, erzeugt durch das gezielte Abdämpfen einzelner Saiten. Kein Synthesizer, kein Effektgerät — ein präpariertes Instrument, das plötzlich perkussiv, gläsern und fremd klingt. Für die Anlage ist das ein Prüfstein: Solche Klänge verraten gnadenlos, wie sauber eine Kette Transienten und Obertöne auflöst.
Die Produktionskette ist konsequent auf Qualität ausgelegt. Aufgenommen wurde hochauflösend (24 Bit / 96 kHz) und zusätzlich rein analog auf der Telefunken M15 des Studios — derselben Bandmaschine, die in den Siebzigern und Achtzigern die berühmten MPS-Produktionen mitschnitt. Das Mastering übernahm Pauler Acoustics, das Haus hinter Stockfisch Records und seit Jahrzehnten eine der ersten Adressen für Schnitt und Mastering im deutschsprachigen Raum.
Gepresst wurde als One-Step-Edition auf zwei 180-g-Scheiben mit 33 U/min. Der Hintergrund: Beim konventionellen Verfahren entstehen aus der geschnittenen Matrize über drei galvanische Zwischenschritte die Presswerkzeuge — jeder Schritt kostet Feinauflösung. Das One-Step-Verfahren verkürzt diese Kette und bewahrt mehr von dem, was im Schnitt tatsächlich steckt. Der Preis dafür ist eine deutlich geringere Standzeit der Werkzeuge, weshalb solche Editionen grundsätzlich klein bleiben: Hier sind es 500 Exemplare der Erstpressung. Die Verteilung auf zwei Platten statt einer sorgt zusätzlich für kürzere Seiten und damit für größere Rillenabstände — mehr Dynamikreserve, weniger Verzerrung im Innenrillenbereich.
Zur Ausstattung gehört ein Foto-Folder mit Bildern aus dem MPS-Studio, der Aufnahmesituation und Angaben zu den verwendeten Mikrofonen — für alle, die wissen möchten, wie dieser Klang zustande kam. Auf Wunsch liefert der Künstler das Album handsigniert. Für Tonbandfreunde existiert „Homeland" zudem als analoge Bandedition.
Die deutsche HiFi-Fachpresse hat das Album ungewöhnlich einhellig aufgenommen. analog (3/23) hob das realistische Klangbild sowie Pressung und Vinylqualität hervor und sprach von einer echten Vinylperle. AUDIO (2/24) vergab einen Klangtipp und lobte die Dynamik mit durchsetzungsstarkem Diskant. STEREO (2/2024) beschrieb den Eindruck, der Flügel stehe bei entsprechender Anlage im eigenen Raum. Das LP-Magazin (3/2024) fasste zusammen, dass hier Leidenschaft, Klang, Pressqualität und Musik gleichermaßen stimmen.
| 1 |
Homeland |
| 2 |
Familiar Feelings |
| 3 |
Exciting |
| 4 |
Soulful Moments |
| 5 |
Long Ago |
| 6 |
Meet Old Friends |
| 7 |
Forgotten Love |
| 8 |
So Many Moods |
| 9 |
Zufriedenheit ist der Weg zum Glück |
| 10 |
Forced to Flee My Homeland |
| 11 |
Your Tears Will Dry |
| 12 |
Happiness |
| Künstler |
Martin Vatter (Klavier, Komposition) |
| Titel |
Homeland |
| Format |
Doppel-LP, 2 × 180 g Vinyl, 33 U/min |
| Genre |
Solo-Piano zwischen Jazz, Klassik und Neoklassik |
| Anzahl Titel |
12 Eigenkompositionen |
| Aufnahmeort |
MPS-Studio, Villingen |
| Instrument |
Bösendorfer Imperial Konzertflügel, Baujahr 1979 |
| Tonmeister |
Gerd Puchelt |
| Mikrofonierung |
4 × Neumann U 87, 1 × Neumann SM 69, 2 × Brüel & Kjær 4006 |
| Aufnahmeformat |
High Resolution 24 Bit / 96 kHz, zusätzlich analog auf Telefunken M15 |
| Mastering |
Pauler Acoustics |
| Pressverfahren |
One-Step-Pressung, gefertigt in Deutschland (Presswerk MY45) |
| Auflage |
Erstpressung limitiert auf 500 Exemplare |
| Ausstattung |
Doppel-Cover, beiliegender Foto-Folder mit Aufnahme- und Mikrofoninfos |
| Weitere Formate |
Audio-CD, HighRes-Download, analoge Tonband-Edition |
| Auszeichnungen |
Klangtipp AUDIO 2/24; besprochen in analog 3/23, STEREO 2/2024, LP-Magazin 3/2024 |