Phonokabel · Analoge Signalführung
Das Phonokabel ist das schwächste Glied der analogen Kette — und zugleich das am häufigsten unterschätzte. Nirgendwo sonst bewegt sich ein elektrisches Signal auf so niedrigem Pegel, so weit entfernt von jeder Verstärkung: Das Ausgangssignal eines MC-Tonabnehmers liegt bei weniger als einem halben Millivolt. Was das Kabel an dieser Stelle hinzufügt — Rauschen, Einstreuungen, dielektrisch gespeicherte Energie, unegale Ausbreitungsgeschwindigkeiten — findet sich unweigerlich im Klang wieder. Das Cardas CLEAR Cygnus Phono wurde mit dem erklärten Ziel entwickelt, genau dort nichts hinzuzufügen: reiner Klang durch konsequente Physik.
Als Nachfolger des CLEAR Light — dem meistverkauften Kabel der gesamten CLEAR-Serie in den USA — hatte das Cygnus eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Cardas hat sie gelöst, ohne den Preis signifikant zu erhöhen: Mit einem schlankeren, dennoch hochentwickelten Aufbau aus vier Innenleitern greift das Cygnus auf dieselben Kernprinzipien zurück wie das große CLEAR und übersetzt sie in ein Kabel, das in jeder Hinsicht mehr kann als sein Vorgänger — offener, holographischer, mit besserem Tieftonfundament.
Goldener Schnitt
Litzen-Verhältnisse nach dem Fibonacci-Prinzip — Resonanzauslöschung auf Leiterebene
Matched Propagation
Magnetfeld- und Isolationsgeschwindigkeit im Gleichlauf — präzisere Impuls- und Detailwiedergabe
Handgefertigt · USA
Handgelötet in Bandon, Oregon — Cardas produziert seine Kupferleiter vollständig im eigenen Haus
Was das Cygnus Phono klanglich auszeichnet, lässt sich in einem Satz zusammenfassen, der in der High-End-Welt selten gilt: Es macht nichts falsch. Es überhöht keine Frequenz, betont keine Attacke auf Kosten der Sustain-Phase, und es glättet nicht zugunsten einer gefälligen, aber letztlich unechten Geschmeidigkeit. Das Ergebnis ist eine natürliche, mühelos detaillierte Wiedergabe — Instrumente stehen greifbar im Raum, Basslinien gewinnen Kontur und Körper, und die Höhen bleiben offen, ohne je zu schreien.
Gegenüber dem CLEAR Light legt das Cygnus vor allem in der holographischen Tiefenstaffelung zu: Stimmen und Instrumente sind nicht nur nebeneinander, sondern klar hinter- und voreinander positioniert. Wer das Cardas-Klangerlebnis noch nicht kennt, wird bei der ersten Begegnung möglicherweise kurz zweifeln — denn das Cygnus klingt im direkten A/B-Vergleich zu vielen Mitbewerbern zunächst weniger aufregend. Dieser Eindruck kehrt sich nach wenigen Stunden um: Was als Zurückhaltung wirkt, entpuppt sich als Ehrlichkeit. Was andere Kabel als Lebendigkeit verkaufen, klingt daneben schlicht hell und angestrengt.
Besonders bei perkussiven Transienten — Hi-Hat, Snare, gezupften Saiten — zeigt das Cygnus, was eine richtig dimensionierte Kabelkapazität und saubere Schirmung bewirken: ca. 56 pF pro Meter halten die Hochtongrenzfrequenz des Abtastsystems weit außerhalb des Hörbereichs, ohne den für niederkapazitive Kabel typischen, leeren Hochtoncharakter zu erzeugen. Das Kabel benötigt eine Einspielzeit — erfahrene Nutzer berichten von einem anfangs etwas unruhigen Klangbild, das sich nach einigen Tagen zu einem deutlich ausgewogeneren, seidigen Charakter entwickelt.
Der Aufbau des CLEAR Cygnus Phono basiert auf dem gleichnamigen Interconnect-Kabel, das für die Phono-Anwendung modifiziert terminiert wird — als einzelner Strang, nicht als Stereodoppel. Im Kern liegen vier Innenleiter aus 99,9999 % reinem OFHC-Kupfer (Grade 1), das Cardas Audio seit Mitte der 1980er-Jahre vollständig im eigenen Haus produziert: Die Drähte werden unter Wasserstoffatmosphäre gereinigt und geglüht, nach jedem Ziehvorgang mit Diamantwerkzeugen poliert und unmittelbar danach mit einem Urethan-Litz-Lack versiegelt — ein kontinuierlicher Prozess, der Oxidation dauerhaft ausschließt.
Diese Einzellitzen sind mehrlagig, gegenläufig um einen Kevlar-Kern gewickelt — die sogenannte Crossfield-Geometrie. Entscheidend ist, dass jede Lage in entgegengesetzter Richtung zur vorherigen verseilt ist: Das hebt den Dipolcharakter des Kabels auf, der gewöhnliche Litzen sowohl als Sender als auch als Empfänger von RFI/EMI agieren lässt. Die Größenverhältnisse der einzelnen Litzen zueinander und zu den umgebenden Isolatoren folgen dem Goldenen Schnitt (ø = 1,6180…), dem mathematischen Prinzip hinter der berühmten Fibonacci-Folge: Jede Litze ist so dimensioniert, dass ihre Resonanzfrequenz irrational zu den benachbarten Litzen ist — Interleiter-Resonanz wird strukturell ausgelöscht statt bedämpft.
Die Matched-Propagation-Technologie adressiert ein Phänomen, das in konventionellen Kabeln systematisch unterschätzt wird: Magnetfelder breiten sich innerhalb eines Leiters schneller aus als im umgebenden Isolator. Diese Laufzeitdifferenz erzeugt Phasenfehler, die als Unschärfe, fehlende Mikrodetails und verwaschene Transienten hörbar werden. Cardas gleicht beide Ausbreitungsgeschwindigkeiten konstruktiv aneinander an — durch die Wahl des Leiterdurchmessers, der Isolationsgeometrie und der Schirmstruktur. Das Ergebnis ist eine zeitkohärentere Signalübertragung, die sich klanglich als gesteigerte Auflösung im Mittel- und Hochtonbereich sowie als plastischeres Raumklangbild niederschlägt.
Die Innenleiter werden durch antistatische LDPE-Luftschläuche auf Abstand gehalten, die mit kohlenstoffimprägniertem PTFE-Band fixiert sind. Luft bleibt das dielektrisch neutralste Material überhaupt — jedes Polymer speichert Energie, Luft nicht. Die äußere Schlauchschicht ist nach dem Goldenen Schnitt 1,618-mal größer dimensioniert als die innere und hält die Doppelschirmung aus verzinntem Kupfer und Magnetdraht räumlich auf Abstand zu den Signalleitern. Das Ergebnis ist ein doppelt geschirmtes, dennoch bemerkenswertes Kabel in seiner Flexibilität — besonders an den freigeführten Anschlussadern, die den Einbau an engen Tonarmen erleichtern.
Terminierung & Konfiguration
Eingangsseitig — am Tonarm — steht das CLEAR Cygnus Phono standardmäßig mit einem geraden Cardas-DIN-Stecker aus Aluminium oder mit zwei GRMO-RCA-Steckern zur Verfügung. Der 90°-Cardas-DIN-Stecker ist gegen Aufpreis erhältlich — ideal für Plattenspieler mit beengten Platzverhältnissen am Armausgang. Für symmetrische Phonovorstufen sind Sonderkonfigurationen möglich: 4-PIN-DIN mit Erdung über den Außenkontakt oder 5-PIN-DIN mit von der Schirmung getrennter Erdleitung, was die sauberste Masseführung in vollsymmetrischen Setups erlaubt.
Ausgangsseitig — zur Phonovorstufe — sind standardmäßig zwei Cardas GRMO-RCA-Stecker verbaut. Auf Wunsch stehen zwei XLR-Stecker oder gegen Aufpreis rhodinierte Cardas-XLR-Stecker zur Verfügung; die Erdung kann separat oder am Pin 1 der XLR geführt werden. Ab einer Länge von 2 Metern werden alle Konfigurationen als Sonderanfertigung nach Kundenwunsch produziert — Cardas fertigt in Bandon, Oregon, keine Kabel auf Lager, sondern auf Bestellung.
Einordnung & Upgrade-Pfad
Das CLEAR Cygnus Phono steht im Cardas-Lineup zwischen dem Iridium Phono als zugänglicherem Einstieg und dem CLEAR Phono, das auf vier paarweise gruppierten und vollsymmetrisch geführten Innenleitern mit luftgefüllten PTFE-Schläuchen basiert und eine noch transparentere, plastischere Klangsprache entwickelt. Die Phono-Hierarchie setzt sich fort über das CLEAR Beyond Phono — das Flaggschiff der Linie, das jetzt jeden Kanal in einem separaten Kabelstrang führt und damit das Maximum an Übersprechdämpfung und räumlicher Abbildung ermöglicht.
Das CLEAR Cygnus Phono trifft den Sweet Spot dieser Linie: Es bringt das konzeptionelle Fundament der CLEAR-Technologie in ein Kabel, das noch keine audiophile Kompromissbereitschaft voraussetzt — weder beim Preis noch beim täglichen Umgang. Es passt zu Subchassis-Laufwerken ebenso wie zu Direktantrieblern, zu MM-Systemen ebenso wie zu anspruchsvollen MC-Tonabnehmern.
| Hersteller |
Cardas Audio (Bandon, Oregon, USA) |
| Modell |
CLEAR Cygnus Phono |
| Außendurchmesser |
9,5 mm |
| Innenleiter |
4 × 0,4 mm CLEAR-Leitermaterial (25,5 AWG) |
| Kupfer |
Grade 1, 99,9999 % reines OFHC-Kupfer, Litz mit SPN-Klarlack |
| Geometrie |
Quad-axial (Star-Quad), Crossfield-Schichtung |
| Kern |
Kevlar |
| Abstandshalter / Dielektrikum |
Antistatische LDPE-Luftschläuche, kohlenstoffimprägniertes PTFE-Band |
| Schirmung |
Doppelt (verzinntes Kupfer + Magnetdraht, über PTFE-Luftschläuchen) |
| Ummantelung |
Alcryn (flexibles, haltbares Elastomer) |
| Kabelkapazität |
ca. 56 pF/m |
| Terminierung Eingang (Tonarmseite) |
Gerader Cardas-DIN (Alu) oder 2 × GRMO-RCA; 90°-DIN gegen Aufpreis; 4-PIN-DIN / 5-PIN-DIN als Sonderkonfiguration |
| Terminierung Ausgang (Vorstufenseite) |
2 × GRMO-RCA (Standard); 2 × XLR oder rhodinierte Cardas-XLR optional |
| Erdung |
Separat oder auf Wunsch an Pin 1 der XLR-Stecker |
| Sonderanfertigungen ab |
2 m (kürzere Längen ab Lager) |
| Fertigung |
Handgelötet in Bandon, Oregon, USA |
| Verwendete Technologien |
Matched Propagation, Golden Section Stranding, Crossfield Construction, Cardas-Kupfer (hauseigen) |
| Upgrade-Pfad |
Cardas CLEAR Phono → CLEAR Beyond Phono (Flaggschiff) |