Kopfhörer · Open-Back · High-End · Made in Germany
Es gibt Produkte, die einen bestehenden Markt verbessern. Und es gibt Produkte, die seine Grundannahmen hinterfragen. Der grell OAE2 gehört zur zweiten Kategorie. Axel Grell — der Mann, dessen Handschrift einige der bedeutendsten Sennheiser-Kopfhörer der letzten drei Jahrzehnte trägt, von HD 600 bis HD 800 — hat mit seiner gleichnamigen Marke ein Ziel formuliert, das in der Kopfhörerwelt so noch niemand konsequent verfolgt hat: einen Kopfhörer zu bauen, der sich dem natürlichen Hören anpasst — nicht umgekehrt. Der OAE2 ist das erste Produkt dieser Philosophie, das für den breiten Fachhandel entwickelt wurde. Und er ist in jeder Hinsicht anders.
Das Herzstück ist die Frontseitige Schallfeldmodulation (FSFM) — ein von Grell in Zusammenarbeit mit der Leibniz Universität Hannover entwickeltes akustisches Architekturprinzip, das den Treiber nicht seitlich, sondern schräg von vorn auf das Ohr richtet. Klingt wie ein Detail. Ist in seiner Wirkung eine Revolution. Denn wo konventionelle Kopfhörer die Ohrmuschel als akustisches Hindernis behandeln, das den Klang färbt und die Bühne im Kopf einsperrt, macht der OAE2 die Ohrmuschel zum aktiven Bestandteil der Schallerfahrung — so wie es beim natürlichen Hören immer ist. Das Ergebnis: Stimmen stehen vor einem, nicht in einem. Die Bühne löst sich aus dem Kopf. Musik atmet.
FSFM-Technologie
Schall trifft schräg von vorn auf das Ohr — die Ohrmuschel arbeitet mit, nicht gegen den Klang. Bühne vor statt im Kopf
Modular & nachhaltig
Alle Komponenten austauschbar — kein Wegwerfprodukt, kein Plastik in der Verpackung, zertifizierte Fertigung
Vollsymmetrisch
Zwei versilberte OFC-Kabel im Lieferumfang — 3,5 mm + 6,3-mm-Adapter und 4,4 mm für Balanced-Betrieb
FSFM — die Physik dahinter
Warum klingt ein guter Lautsprecher räumlicher als ein guter Kopfhörer — selbst wenn der Kopfhörer technisch überlegen ist? Die Antwort liegt in der Ohrmuschel. Wenn Schall aus einer Quelle vor uns auf das Ohr trifft, formt die individuelle Geometrie der Ohrmuschel — ihre Kurven, Falten und Öffnungen — den Schall durch Beugung und Reflexion. Das Gehirn liest diese feinen spektralen Verzögerungen und Amplitudenverschiebungen, die als HRTF (Head-Related Transfer Function) bekannt sind, und berechnet daraus präzise: Wo ist diese Klangquelle? Konventionelle Kopfhörer, deren Treiber seitlich auf den Gehörgang zeigen, überspringen diesen Prozess vollständig — die Ohrmuschel bleibt unbeteiligt, die Lokalisierung bleibt im Kopf.
FSFM macht die Ohrmuschel wieder zum Mitspieler. Treiber, Schallführung und Gehäuse des OAE2 sind so abgestimmt, dass die Schallfront das Ohr mit frühen Reflexions- und Laufzeitunterschieden erreicht, die das Gehirn als frontale Klangquelle interpretiert. Dies ist, wie Grell audio betont, kein Effekt, keine Simulation und kein Crossfeed-Filter — sondern eine akustische Architektur, die die natürliche Hörphysik direkt nutzt. Frühe Reflexions-Cues und Laufzeitunterschiede entstehen auf demselben Weg wie beim Lautsprecherhören — nur ohne Raum und ohne Umgebungsgeräusche.
Der Klangcharakter des OAE2 folgt der Schule, die Axel Grell über Jahrzehnte geprägt hat: neutral im Kern, mit subtiler Wärme im Grundton für Körper und Substanz. Mitten sind ausdrucksstark und texturiert, Stimmen kommen in realistischer Größe und stehen vor dem Hörer, nicht in ihm. Sibilanten bleiben natürlich, die Höhen lösen fein auf, ohne zu glitzern oder zu stechen. Der Bass ist tief reichend und im Mitteltonbereich besonders körperlich präsent — laut dem unabhängigen Test von headphonecheck.com liegt das Niveau zwischen dem OAE1 und einem Sennheiser HD 650, mit spürbarer Kraft und bildlicher Plastizität, die sich erst bei ausreichender Abhörlautstärke vollständig entfaltet. Wer den OAE2 halblaut testet, hört nicht, was er kann.
Die entscheidende Stärke liegt im Raum. Bei Live-Aufnahmen entsteht eine Konzertatmosphäre, die mit Sennheiser HD 660S oder Hifiman Sundara kaum vergleichbar ist — der Saal wirkt größer, die Bühne weiter, die Verbindung zum Geschehen unmittelbarer. Dabei bleibt der OAE2 trotz der tief im Raum stehenden Bühne direkt und involvierend — keine Distanziertheit, keine kühle Analytik, sondern intensive Beteiligung. Bei Vokalmusik, Jazz und klassischen Kammeraufnahmen entfaltet er seine überzeugendste Seite: Stimmen atmen, Bogenbewegungen stehen im Raum, das Klima einer Aufnahme wird greifbar. Wer Lautsprecher liebt, aber aus Rücksicht auf Nachbarn oder Familie häufig zum Kopfhörer greift, findet im OAE2 die emotionale Brücke zwischen beiden Welten.
Ein wichtiger Hinweis für neue Besitzer: Der OAE2 erfordert Eingewöhnungszeit. Wer ihn direkt mit einem konventionellen Kopfhörer vergleicht, hört zunächst das Ungewohnte — nicht das Bessere. Grell audio empfiehlt ausdrücklich, eine bis zwei Hörsessions ausschließlich mit dem OAE2 zu verbringen, bevor ein Vergleich gezogen wird. Was dann passiert, beschreiben Besitzer konsistent: Der bisherige Lieblingskopfhörer wirkt danach kleiner, enger, weniger echt.
Im OAE2 arbeiten dynamische 40-mm-Treiber mit Bio-Zellulose-Membran — ein Material, das für seine ausgewogene Balance aus Steifigkeit, Eigengewicht und innerer Dämpfung bekannt ist und in audiophilen Kopfhörern seit Jahrzehnten Verwendung findet. Die niedrige Impedanz von 38 Ohm macht den OAE2 vielseitig einsetzbar: Er klingt an einem stationären Kopfhörerverstärker der Klasse eines Lehmann Audio Linear überzeugend raumgreifend — reagiert mit messbarem Gewinn an Bühnenbreite und Tiefenstaffelung auf höhere Ausgangsspannungen, lässt sich aber auch direkt an mobilen Geräten oder Laptops betreiben. Vollsymmetrischer Betrieb über die mitgelieferte 4,4-mm-Konfektionierung ist bereits ab Werk möglich.
Gegenüber dem Vorgänger OAE1 — der bislang exklusiv über die US-Plattform drop.com vertrieben wurde — hat Grell beim OAE2 drei gezielte Weiterentwicklungen vorgenommen: Die Ohr- und Kopfpolster wurden neu gestaltet für verbesserten Sitz und Langzeitkomfort. Der Verstellbereich des Kopfbands wurde vergrößert, um mehr Kopfformen sicher abzudecken. Und der Frequenzgang wurde feinjustiert — der Bass leicht gestrafft gegenüber dem OAE1 — für eine noch ausgewogenere Klangbalance zwischen Detailreichtum und Natürlichkeit. Der OAE1 wird nicht ersetzt; beide Modelle behalten ihre eigenständige Berechtigung.
Verarbeitung, Komfort & Nachhaltigkeit
Das Gehäuse aus offenem Edelstahlgewebe — das Design orientiert sich am iF Design Award-prämierten OAE1 Signature — verbindet industrielle Präzision mit einer offenen, architektonischen Ästhetik. Mit 378 Gramm ist der OAE2 kein Leichtgewicht, aber das Gewicht ist durch die Memoryfoam-Polsterung in Velours-Ausführung und das breite Kopfband gleichmäßig verteilt: Stundenlanges ermüdungsfreies Hören ist ohne Druckpunkte möglich. Wer Brillenträger ist, sollte beim ersten Aufsetzen auf einen sicheren Sitz der Polster achten — minimale Verschiebungen können die Bühnenhöhe beeinflussen.
Der modulare Aufbau ermöglicht den Austausch von Ohr- und Kopfpolstern, Kabeln und weiteren Komponenten ohne Werkzeug oder Fachservice — ein bewusstes Statement gegen die Wegwerfkultur im Kopfhörermarkt. Grell audio produziert in zertifizierten Fertigungsstätten, verzichtet auf Plastikverpackungen und plant den OAE2 als langfristiges, reparierbares Produkt. Optional ist ein ansteckbarer Mikrofonarm als Zubehör erhältlich, der den OAE2 in ein vollwertiges Headset verwandelt.
| Hersteller |
grell audio (Deutschland) |
| Modell |
OAE2 |
| Bauform |
Offen, Over-Ear (Open Around Ear) |
| Akustikprinzip |
Frontseitige Schallfeldmodulation (FSFM) — kein Crossfeed, keine Simulation |
| Treiber |
Dynamisch, 40 mm, Bio-Zellulose-Membran |
| Frequenzgang |
12–34.000 Hz (–3 dB) |
| Impedanz |
38 Ω (auch an mobilen Quellen betreibbar) |
| Schalldruckpegel |
100 dB bei 1 kHz / 1 V |
| Max. Eingangsleistung |
500 mW |
| Klirrfaktor |
0,05 % bei 1 kHz |
| Gewicht |
378 g (ohne Kabel) |
| Gehäuse |
Offenes Edelstahlgewebe (iF Design Award-Abstammung) |
| Polster |
Atmungsaktiver Velours + Memoryfoam (Ohr & Kopf) |
| Konstruktion |
Modular — alle Komponenten einzeln austauschbar |
| Zubehör optional |
Ansteckbarer Mikrofonarm (Headset-Erweiterung) |
| Forschungspartner |
Leibniz Universität Hannover |
| Lieferumfang |
Kopfhörer, robustes Reiseetui, versilbertes OFC-Kabel 3,5 mm + 6,3-mm-Adapter, versilbertes OFC-Kabel 4,4 mm (Balanced) |
| Nachhaltigkeit |
Zertifizierte Fertigung, plastikfreie Verpackung, Made in Germany |