Ein Plattenspieler-Setup lässt sich hören — aber nicht immer mit Sicherheit beurteilen. Ob die Auflagekraft wirklich stimmt, das Antiskating korrekt wirkt, beide Kanäle sauber getrennt und richtig gepolt ankommen und der Frequenzgang des Systems keine versteckten Schwächen hat: Das alles lässt sich nur mit den richtigen Werkzeugen prüfen. Das Ortofon Stereo Test Record ist genau dieses Werkzeug — eine neue 180-g-Feinpressung von einem der ältesten und angesehensten Tonabnehmer-Hersteller der Welt, konzipiert für den Einsatz im heimischen Hörraum mit der eigenen Anlage.
Ortofon, gegründet 1918 in Kopenhagen und damit einer der ältesten Hersteller von Tonabnehmer-Technologie überhaupt, hat die Testsignale auf dieser Schallplatte selbst entwickelt — aus einem tiefen Verständnis dafür, was ein Tonabnehmer, ein Tonarm und ein Plattenspieler zusammen leisten müssen und wie ihre Interaktion klanglich sichtbar gemacht werden kann. Das Ergebnis ist eine kompakt aufgebaute, aber inhaltlich vollständige Testschallplatte mit 15 Spuren pro Seite, die vier klar unterscheidbare Prüfbereiche abdeckt.
15 Spuren pro Seite
Frequenzgang · Kanaltest · Abtastvermögen · Rechteckwelle — vier Prüfbereiche auf einer Platte
800 Hz – 50 kHz
Frequenz-Sweep weit über den Hörbereich hinaus — deckt auch Ultraschall-Resonanzen auf
180-g-Feinpressung
Neue Pressung von Ortofon — hochwertig gepresst für präzise, rauschearme Testsignale
Spuren 1–4 · Frequenzgang-Analyse
Die ersten vier Spuren enthalten je einen logarithmischen Frequenz-Sweep von 800 Hz bis 50 kHz — Spur 1 und 3 für den linken Kanal, Spur 2 und 4 für den rechten. Die Aufnahme verwendet einen Linearschnitt ohne RIAA-Korrektur mit konstanter Geschwindigkeitsamplitude: Das bedeutet, die Platte selbst trägt das Signal linear aufgezeichnet, während die Entzerrung komplett durch die RIAA-Stufe der eigenen Anlage übernommen wird — genau so, wie jede Musikschallplatte abgespielt wird. Der Toleranzbereich liegt dabei bei ±1,5 dB im Bereich 800–20.000 Hz.
Mit dem Frequenzgang-Sweep lassen sich mehrere Einflussgrößen aufspüren. Kabelkapazitäten im Tonarmleitungssystem können einen frühen Hochtonabfall verursachen. Falsche Auflagekraft verändert die Resonanzcharakteristik des Tonabnehmers und damit seinen Frequenzgang. Verschleiß an Nadel oder Lagern zeichnet sich oft als Frequenzgang-Asymmetrie ab. Selbst Antiskating-Fehler können zu kanalabhängigen Abweichungen führen. Wer den Sweep sauber und gleichmäßig über beide Kanäle durch die Anlage laufen hört, hat ein gut eingestelltes System bestätigt.
Spuren 5–8 · Referenzton & Kanalcheck
Die Spuren 5 bis 8 liefern einen 1000-Hz-Referenzton bei 5 cm/s rms, abwechselnd für linken und rechten Kanal. Dieser Standardton ist der Ausgangspunkt für mehrere wichtige Überprüfungen: Ob der linke Kanal wirklich links am Lautsprecher ankommt und der rechte rechts; ob die Lautsprecher phasenrichtig angeschlossen sind; ob die Kanalbalance stimmt; und ob der Plattenspieler exakt die richtige Drehzahl einhält — ein Frequenzmessgerät oder eine Stimmgabel-App genügt als Referenz.
Spuren 9–14 · Abtastvermögen
Sechs Spuren mit einem 315-Hz-Signal bei steigenden lateralen Ausschlägen von 50, 60, 70, 80, 90 und 100 Mikrometern: Das ist der härteste Teil der Testschallplatte — und der aufschlussreichste. Jeder Tonabnehmer hat im Datenblatt einen Abtastwert (Tracking Ability), der in Mikrometern angegeben ist. Auf diesen Wert sollte der Tonabnehmer die entsprechende Spur verzerrungsfrei verfolgen können. Tritt Verzerrung auf, ist das als Abrücken vom reinen Ton oder als Flattern und Springen hörbar.
Besonders diagnostisch wertvoll ist der Kanalvergleich: Wenn einer der Kanäle früher verzerrt als der andere, ist das ein klares Indiz für ein fehlerhaftes Antiskating. Die Skating-Kraft zieht den Tonarm einwärts und belastet dadurch eine Seite der Rille stärker — korrektes Antiskating hält diese Kraft im Gleichgewicht. Wenn beide Kanäle gleichzeitig versagen, sollte das Auflagegewicht schrittweise erhöht werden, bis keine weitere Verbesserung erzielt werden kann. Achtung: Die 90- und 100-µm-Spuren sind extreme Belastungstests — die meisten Tonabnehmer im Normalbetrieb spielen bei 1,5–2,5 g nicht bis 100 µm.
Spur 15 · Rechteckwelle für Oszilloskop
Die letzte Spur enthält eine Rechteckwelle mit 2,7 ms Periodendauer und einem Tastverhältnis von 3:7 — ein Profi-Werkzeug für alle, die ein Oszilloskop zur Hand haben. Ein korrekt angeschlossener, phasenrichtiger und richtig justierter Tonabnehmer gibt die Rechteckwelle so wieder, dass beide Kanäle auf dem Bildschirm exakt übereinanderliegen. Abweichungen zeigen Verdrahtungsfehler, Phasendreher oder Azimuth-Probleme in der Headshell-Montage. Ohne Oszilloskop kann diese Spur übersprungen werden — die anderen 14 liefern bereits ein vollständiges Bild des Setup-Zustands.
| Hersteller |
Ortofon (Kopenhagen, Dänemark, gegr. 1918) |
| Format |
LP Stereo, 33 1/3 rpm, 180 g Vinyl |
| Spuren pro Seite |
15 (beide Seiten identisch) |
| Spuren 1–4 |
Frequenz-Sweep L/R, 800 Hz – 50 kHz, logarithmisch, 28 Sek., Linearschnitt ohne RIAA (800–20.000 Hz ±1,5 dB) |
| Spuren 5–8 |
Referenzton 1000 Hz / 5 cm/s rms, L/R abwechselnd |
| Spuren 9–14 |
Abtasttest lateral, 315 Hz, 50 / 60 / 70 / 80 / 90 / 100 µm Peak |
| Spur 15 |
Rechteckwelle, 2,7 ms, Tastverhältnis 3:7 |
| Wiedergabe |
Über eingebaute RIAA-Entzerrung der eigenen Anlage · moderater Lautstärkepegel empfohlen |
| Prüfparameter |
Frequenzgang · Kanalzuordnung · Phasenlage · Kanalbalance · Drehzahl · Abtastvermögen · Antiskating · Auflagekraft |
| Zielgruppe |
Vinyl-Einsteiger zum Erstsetup · erfahrene Hörer zur Systemoptimierung · Händler und Techniker zur Einmessung |