Plattenspieler-Zubehör · Headshells
Headshells gibt es viele. Aber nur eine Handvoll Hersteller hat sich je an Karbon herangewagt — an jenes ultraleichte, extrem resonanzarme Hochleistungsmaterial, das in der Verarbeitung so unnachgiebig ist wie es im Betrieb überzeugend wirkt. Die Oyaide HS-CF ist der Maßstab dieser Gattung: 2007 eigens für Analogliebhaber entwickelt, seither unzählige Male kopiert — in ihrer Präzision jedoch nie erreicht.
Das Schalenteil besteht aus 4 mm starkem CFRP (Carbon Fiber Reinforced Plastics) aus 17 einzeln verbackenen Prepreg-Lagen, in einem einzigen Formvorgang gewinkelt gepresst — Single Molding, ohne jede Klebefuge. Genau darin liegt der Unterschied: Verklebte Mehrteiler stören das Schwingungsmoment an jeder Materialgrenze. Die HS-CF ist ein monolithisches Bauteil, das Vibrationen aufnimmt und in Wärme abführt, statt sie an den Tonabnehmer zurückzugeben. Beigelegt und bereits montiert sind vier HSR-AG Headshellkabel aus 5N-Reinsilber — allein sie sind im Einzelhandel ein ernstzunehmender Posten.
17-Lagen Single Molding
Fugenlos in einem Stück geformt — keine Klebestellen, kein gestörtes Schwingungsmoment
Toray T700 Kern
Hochfestes Carbon aus der Luftfahrt — Deckgewebe aus feinem T300 1K-Tuch
HSR-AG inklusive
Vier Headshellkabel aus 5N-Reinsilber, doppelt seidenumsponnen, ab Werk montiert
Was muss eine Headshell leisten? Sie muss leicht sein, gleichzeitig hochsteif und zäh — und Vibrationen schnell zum Erliegen bringen. Diese drei Forderungen widersprechen sich in nahezu jedem klassischen Werkstoff: Aluminium ist leicht, aber klingelt; Messing bedämpft, ist aber schwer; Kunststoff ist leicht und tot, aber viel zu weich. Kohlenstofffaserverbund löst diesen Zielkonflikt — vorausgesetzt, der Lagenaufbau stimmt.
Genau hier wird die HS-CF interessant. Oyaide legt sämtliche Faserlagen bis auf eine mittlere Lage unidirektional, also in eine gemeinsame Richtung, aus. Diese bewusst asymmetrische Anordnung maximiert die innere Dämpfung: Die eine quer liegende Lage bricht die Symmetrie des Laminats und verhindert, dass sich Biegeschwingungen sauber ausbilden und aufschaukeln können. Als Matrix dient ein hochzäher Epoxidharz-Typ, dessen Festigkeitseigenschaften sich praktisch nicht über die Zeit verändern — eine HS-CF altert nicht im akustisch relevanten Sinne.
Auch die Faserqualität ist kein Zufallsprodukt. Als Kernmaterial dient Torays hochfeste Faser T700 — dieselbe Werkstoffklasse, die im modernen Verkehrsflugzeugbau zum Einsatz kommt. Für die sichtbaren Deckschichten verwendet Oyaide das feinere T300 1K-Gewebe, dessen silbrig schimmerndes Köpermuster der HS-CF ihre unverwechselbare, zurückhaltend-elegante Anmutung gibt. Nach dem Pressvorgang wird jede Schale einzeln CNC-gefräst und auf Endmaß gebracht. Der mattsilberne Fingerlift setzt den einzigen bewussten Kontrapunkt zur schwarzen Karbonstruktur.
Der Anschlussteil — das SME-Bajonett — ist als Aluminium-Coupling ausgeführt, in das ein glasfaserverstärktes Kunstharz eingepresst ist. Diese Materialpaarung ist doppelt sinnvoll: Das Aluminium sorgt für maßhaltige, spielfreie Verriegelung am Tonarmrohr, das Harz isoliert die vier Kontaktstifte elektrisch sauber voneinander. Die Stifte selbst bestehen aus vergoldetem Messing — Messing wegen der mechanischen Stabilität des Kontaktdrucks, Gold gegen Anlaufen und Übergangswiderstände, die sich gerade bei MC-Signalpegeln im Mikrovolt-Bereich hörbar auswirken.
Die vier mitgelieferten Headshellkabel sind kein Beipack, sondern ein eigenständiges Oyaide-Produkt: das HSR-AG. Sein Leiter besteht aus 5N-Reinsilber (99,999 %), hergestellt im Stranggussverfahren im Hochfrequenz-Elektroofen, anschließend in 19 Kaltwalzstufen verdichtet, zweifach geglüht und durch eine Diamantmatrize gezogen. Das Ziel dieses Aufwands: ein Kristallgefüge ohne Lunker an den Korngrenzen — dort, wo bei billig gezogenem Draht die Signalübertragung mikroskopisch stockt.
Sieben Einzeldrähte à 0,2 mm werden zu einem Leiterquerschnitt von 0,2 mm² verseilt. Das ist für die winzigen Signalspannungen eines Tonabnehmers großzügig dimensioniert und drückt den Leiterwiderstand auf ein Minimum — ein Punkt, den man gerade bei niederohmigen MC-Systemen nicht unterschätzen sollte. Die Isolation besteht aus doppelter Seidenumspinnung, einem Klassiker der Kabelkunst: Seide hat eine sehr geringe Dielektrizitätskonstante, bringt kaum Masse ein und bleibt dauerhaft flexibel, sodass die Kabel den Tonabnehmer nicht mechanisch verspannen. Die Anschlusshülsen sind aus rhodiniertem Phosphorbronze gefertigt — federhart, damit sie auch nach vielen Systemwechseln sicher klemmen.
Kompatibilität & Abstimmung
Die HS-CF passt an alle Tonarme mit SME-Bajonett — jenem von SME entwickelten Wechselanschluss, der sich seit Jahrzehnten als weltweiter Quasi-Standard etabliert hat. Tonabnehmer werden im üblichen Halbzoll-Raster (12,7 mm) montiert; die Langlöcher erlauben die Verschiebung in Längsrichtung zur Einstellung von Überhang und Kröpfungswinkel.
Mit 12 Gramm liegt die HS-CF im mittleren Feld der Universal-Headshells und ist damit bewusst neutral positioniert. Entscheidend ist der Zusammenhang: Die effektive Tonarmmasse wird stets inklusive Headshell angegeben, jedes Gramm mehr oder weniger verschiebt also die Tonarm-Tonabnehmer-Resonanz. Diese sollte im Fenster von etwa 8 bis 12 Hz liegen — hoch genug, um nicht von Plattenwelligkeiten (typischerweise unter 8 Hz) angeregt zu werden, tief genug, um außerhalb des Hörbereichs zu bleiben. Mehr Masse senkt die Resonanzfrequenz, weniger Masse hebt sie an.
Praktisch heißt das: Die HS-CF harmoniert hervorragend mit mittel- bis niedrigcompliant abgestimmten MM- und MC-Systemen und ist die naheliegende Wahl, wenn eine schwere Serien-Headshell aus Aluguss oder Zinkdruckguss die Resonanz zu weit nach unten gezogen hat. Wer ein ausgesprochen hochcompliantes System fährt, sollte die Resonanzfrequenz vorab rechnerisch prüfen. Und wer bereits mehrere Systeme besitzt, wird den eigentlichen Komfortgewinn schnell schätzen: System einmal justieren, Headshell wechseln, fertig — ohne jedes Mal Überhang, Azimut und Auflagekraft neu einzurichten.
Oyaide Electric begann 1952 als kleines Ladengeschäft im Tokioter Elektronikviertel Akihabara, zunächst spezialisiert auf Magnetdrähte, später auf Industrie-, Geräte- und Koaxialkabel. Firmengründer Kazuji Oyaide entwickelte mit der OCB-1 die erste audiophile Netzleiste Japans; das Lautsprecherkabel OR-800 mit Star-Quad-Aufbau folgte. Aus dem Kabelspezialisten wurde über Jahrzehnte eine der respektiertesten Manufakturen für Steckverbinder und Analogzubehör — sämtliche Produkte entstehen bis heute ausschließlich in Japan.
Dieses Selbstverständnis erklärt die HS-CF besser als jedes Datenblatt: Ein Bauteil, das äußerlich reduziert wirkt, aber in jedem Detail — Faserausrichtung, Legierung, Isolationsmaterial, Kontaktbeschichtung — durchdacht ist. Oyaide formuliert es selbst so, dass gerade das Schlichte handwerklich vollendet sein muss. Wer eine Headshell sucht, die nicht durch Auffälligkeit, sondern durch Abwesenheit von Eigenklang überzeugt, ist hier an der richtigen Adresse.
| Hersteller |
Oyaide Electric, Tokio (Japan) |
| Modell |
HS-CF |
| Typ |
Universal-Headshell mit SME-Bajonett |
| Material Schale |
CFRP, 17-lagiges Karbon (Single Molding) |
| Materialstärke |
4,0 mm |
| Kernfaser |
Toray T700 (hochfest) |
| Deckschichten |
Toray T300 1K-Gewebe, silbrig schimmernd |
| Lagenaufbau |
Unidirektional, eine abweichend orientierte Mittellage |
| Matrix |
Hochzähes Epoxidharz |
| Fertigung |
In einem Stück formgepresst, anschließend CNC-gefräst |
| Anschluss / Coupling |
Aluminium mit eingepresster Kunstharz-Isolation |
| Kontaktstifte |
Messing, vergoldet |
| Tonabnehmer-Montage |
Halbzoll-Standard (12,7 mm), Langlöcher |
| Abmessungen (L × B × H) |
56 × 20 × 15,9 mm |
| Gewicht |
12,0 g |
| Headshellkabel |
Oyaide HSR-AG, ab Werk montiert |
| Leitermaterial Kabel |
5N-Reinsilber (99,999 %), 7 × 0,2 mm = 0,2 mm² |
| Isolation Kabel |
Doppelte Seidenumspinnung |
| Anschlusshülsen Kabel |
Phosphorbronze, rhodiniert |
| Lieferumfang |
Headshell HS-CF, 4 × HSR-AG Headshellkabel (montiert), Montageschrauben (2 × M2,6/7 mm, 2 × M2,6/12 mm) und 2 Muttern |
| Markteinführung |
2007 |
| Herstellungsland |
Made in Japan |